Abstract
Der folgende Beitrag plädiert für eine erweiterte Romanistik, die neben den – mit Blick auf ihre Sprecherzahlen – „großen“ romanischen Sprachen das weniger verbreitete Rumänische sowie Minderheitensprachen wie das Dolomitenladinische – insbesondere das Gadertalische – und das Sardische einbezieht. Diese Sprachen unterscheiden sich stark in ihren grammatischen und lexikalischen Strukturen, teilen jedoch zentrale Gemeinsamkeiten v.a. in ländlich-bäuerlichen Kontexten, etwa in der Viehzucht. Anhand ausgewählter Wortschatzfelder und Grammatikstrukturen wird die sprachliche Tiefe dieser Idiome in Hinblick auf ihren Erwerb demonstriert. Neben linguistischen Aspekten werden didaktische und soziolinguistische Fragen zur Mehrsprachigkeit, Sprachvermittlung und Sichtbarkeit der Sprachen im öffentlichen Raum exemplarisch diskutiert. Der Beitrag versteht sich als Appell an die Romanistik, abseits des sprachlichen Mainstreams bzw. etablierter Kultursprachen auch kleinere, autochthone Sprachen Europas zu erforschen und zu lehren – ganz im Sinne Heinrich Lausbergs.