Abstract
„Toyota!“. „Nichts ist unmöglich!“. Mit dieser – oder einer anderen, nicht minder spontanen – Gesangseinlage würde Feyerabend heute eine Vorlesung über Wissenschaftstheorie begonnen haben, wenn er denn noch könnte. So bleiben lediglich seine schriftlichen Hinterlassenschaften, die uns allerdings nur einen recht mittelbaren Eindruck des „erkenntnistheoretischen Dadaismus“ (synonym: „Anarchismus“) vermitteln können, den er vertreten hat. „Peinlich, diese Vermengung von Werbung und Wissenschaft“, mag man sich nun gegen diesen saloppen Auftakt empören. Aber genau darum geht es: Empörung ist – und dies hat Feyerabend nicht nur erkannt, sondern auch geschickt umgesetzt – ebensogut wie jede andere Aufregung, wenn es sich darum handelt, Menschen zum Denken zu animieren, genauer gesagt sie dazu zu bringen, etwas Neues zu denken, oder zumindest ihre kritische Aufmerksamkeit auf etwas zu lenken, was sie immer gedacht, aber bisher nie zu hinterfragen gewagt haben. „Du lieber Himmel! Jetzt geht dieser Metzner aber zu weit!“. Geht er? Nein! Denn für eine Rezension von Feyerabends Thesen gilt im besonderen, was für jede Nacherzählung lebendiger Ideen gilt: Es geht nicht nur um die Inhalte – schon langsam Staub ansetzender – Schriften, sondern um den Geist, der aus ihnen spricht. „Anything goes.“ Zu konstatieren ist, dass Feyerabend mit diesem – eigentlich lapidaren – Schlachtruf über Nacht weltberühmt und zu einem Klassiker des modernen erkenntnistheoretischen Denkens geworden ist.