Abstract
Der vorliegende Beitrag gibt einen Überblick über Resilienz im Kontext des Tourismus, mit einem spezifischen Fokus auf Tourismusdestinationen. Neben der allgemeinen definitorischen Abgrenzung von Resilienz als Widerstands- bzw. Krisenfestigkeit wird auf die umfassendere
Definition der Vereinten Nationen (UN 2017: 25) nachfolgend hingewiesen. Demzufolge ist Resilienzdie Fähigkeit von Individuen, Haushalten, Gemeinschaften, Städten, Institutionen, Systemen und Gesellschaften, einer Vielzahl von Risiken vorzubeugen, ihnen zu widerstehen, sie zu absorbieren, sich anzupassen, auf sie zu reagieren und sich von ihnen zu erholen und dabei ein akzeptables Funktionsniveau aufrechtzuerhalten, ohne die langfristigen Aussichten auf nachhaltige Entwicklung, Frieden und Sicherheit, Menschenrechte und Wohlergehen für alle zu gefährden.
Diese Definition beinhaltet Elemente sowohl der auf die Beibehaltung des Gleichgewichts und die Systemfunktion fokussierenden ingenieurswissenschaftlichen Resilienzperspektive (engineering resilience) als auch der auf die Möglichkeit der Adaptation von sozioökologischen Systemen ausgerichteten ökologischen Resilienzperspektive (ecological resilience). Erstere bezieht sich vorwiegend auf die Absorptionsfähigkeit
eines Systems in Anbetracht einer Störung mit dem Ziel, dessen Grundstruktur und Gleichgewicht beizubehalten bzw. diese zügig wiederherzustellen. Letztere bezieht sich in höherem Maße auf die systemische Adaptationsfähigkeit, um der Störung entgegenzuwirken,
sollte es dem System nicht möglich sein, dessen disruptive Effekte zu absorbieren. Während somit die ingenieurswissenschaftliche Resilienzperspektive auf systemischen Überlebensmechanismen fußt, die vorwiegend auf Resistenz und Erholung ausgerichtet sind, umfasst die ökologische Resilienzperspektive einen gewissen Grad an systemischer Veränderung und Reorientierung. Basierend auf Transformationsfähigkeit wird Systemen zudem die Möglichkeit einer vollständigen systemischen Erneuerung und kontinuierlichen Weiterentwicklung innerhalb der evolutionären Resilienzperspektive (evolutionary resilience) zuerkannt.