Abstract
Das Fersentalerische steht als Sprache in einem Spannungsfeld, in dem es von drei Kräften beeinflusst wird. Da sind einmal die historischen Wurzeln dieser germanischen Varietät, die in ihrer Zugehörigkeit zur Gruppe der südbairischen Dialekte zu suchen sind (Rabanus 2013). Als Sprachinsel ist das Fersentalerische zudem seit Jahrhunderten dem Einfluss der romanischen Sprachen ausgesetzt, mit denen es in Kontakt steht. Zu diesen Sprachen zählen die Trentiner Dialekte und das Standarditalienische. Schließlich wird das Fersentalerische wie jede andere Sprache auch durch Kräfte bedingt, die in ihr selbst wohnen und die zu Veränderungen führen können, die unabhängig von ihrem sprachlichen Ursprung und dem Kontakt zu anderen Sprachen sind. In diesem Beitrag wird gezeigt, wie diese drei Kräfte – das Sprachsystem der Ursprungsdialekte, der Sprachkontakt und sprachimmanente Kräfte – die Phonologie und Morphologie des Fersentalerischen bedingen.