Abstract
Die universitäre Lehrer/innenbildung ist durch ein Spannungsverhältnis zwischen Theorie und Praxis gekennzeichnet. Gleichzeitig besteht ein Spannungsverhältnis zwischen der universitären und der schulischen Lehr-Lernkultur. Zu fragen ist, inwiefern narratives Lernen in den verschiedenen Bildungskontexten diese Spannungsfelder didaktisch füreinander fruchtbar zu machen vermag. Dieser Frage soll aus bildungswissenschaftlicher und deutschdidaktischer Perspektive nachgegangen werden.
Erzählen und Lernen sind auf vielfältige Weise miteinander verbunden. Kinder wachsen in ihrer sprachlich-kulturellen Sozialisation in eine Kultur der narrativen Sinnkonstruktion hinein, erwerben Sprache und Bewusstsein in narrativen Zusammenhängen und auch Lernprozesse in schulischen Unterrichtskontexten sind narrativ geprägt. Hochschuldidaktisch gilt es an diese narrative Kultur des Lernens anzuknüpfen und Formate zu entwickeln, die narrative Lernprozesse Studierender herausfordern, ermöglichen und erinnerbar machen. Dazu bedarf es der interaktiven Auseinandersetzung mit authentischen, mitunter auch irritierenden und mehrdeutigen, erzählten oder erlebten Lernsituationen bzw. Lerngeschichten im Gespräch.
In diesem Beitrag wird zunächst ein Einblick in Spannungsfelder zwischen Theorie und Praxis in universitären und schulischen Lehr-Lernkulturen gegeben. Der darauffolgende Abschnitt ist der theoretischen Auseinandersetzung mit narrativem Lernen gewidmet und zeigt Verbindungslinien zwischen Lernen und Erzählen auf. Anschließend werden empirische Erkenntnisse der Unterrichtsforschung zu narrativen Lernpotentialen in unterschiedlichen Fachkulturen des schulischen Kontexts herausgearbeitet, um in einem weiteren Schritt Formate narrativen Lernens im hochschuldidaktischen Kontext aus der Professionsforschung vorzustellen. Im Ausblick werden die Erkenntnisse der verschiedenen Ansätze zusammengeführt und Potentiale narrativen Lernens in Bildungskontexten aufgezeigt.