Abstract
Zu Beginn des 21. Jahrhunderts nehmen die Themen Flucht und Vertreibung im Zusammenhang mit Nationalsozialismus und Holocaust einen bedeutenden Raum in der aktuellen Kinder- und Jugendliteratur ein. Literarische Darstellungen jüdischer Kindheiten im Zweiten Weltkrieg beruhen zumeist auf authentischen Erfahrungen noch lebender Zeitzeugen. In den nächsten Jahren wird es einen Übergang vom ‚kommunikativen Gedächtnis’ (Welzer 2005) zum ‚kulturellen Gedächtnis’ (Assmann 1992) geben. Das heißt, die mündlichen Erzählungen der Zeitzeugen werden allmählich abgelöst von kulturellen Objektivationen wie z.B. Texten, Bildern und Orten (Assmann 2003). In diesem Zusammenhang sind die literarischen Verarbeitungen von Geschichte von elementarer Bedeutung für die gesellschaftliche Erinnerung an den Holocaust. Bislang wenig empirisch erforscht jedoch ist, wie diese Texte von heranwachsenden RezipientInnen angeeignet werden und wie sie Eingang in das kulturelle Gedächtnis im schulischen Literaturunterricht finden. Ferner bedarf der von Seiten der Literaturdidaktik formulierte Anspruch an Kinder- und Jugendliteratur als Beitrag zur interkulturellen Verständigung einer empirischen Fundierung.