Abstract
Das italienische Bildungssystem kommt bis Ende des achten Schulbesuchsjahres gänzlich ohne institutionelle Separierung aus, sodass der Grundschule kein mit Deutschland vergleichbarer Zuweisungsauftrag zu differenzierenden Bildungsgängen obliegt. Zugleich ist seit 2020 der Verzicht auf Ziffernzeugnisse in der Grundschule zugunsten von Berichtszeugnissen gesetzlich verankert. Dies
wirft die Frage nach der Relationierung von Leistung und Inklusion auf. Ein genaueres Verständnis des Leistungsbegriffs auf der Ebene sozialer Praktiken innerhalb der Grundschule ist daher Gegenstand unserer Studie CrisP (Children‘s Perceptions of Performance in Primary Schools). Mittels materialgestützter, narrativer Interviews wurden die Orientierungen von Kindern hinsichtlich von schulischer Leistung rekonstruiert. Im Beitrag wird anhand eines Kernfalls aufgezeigt, wie Kinder innerhalb didaktischer Arrangements an (inklusiven) Grundschulen ihre Handlungsmöglichkeiten und ihre Rolle ausdeuten.