Abstract
Wie kann Unterricht – ob inklusiv oder in Förderklassen – Kinder mit Lernschwierigkeiten wirkungsvoll beim Erlernen mathematischer Basiskompetenzen unterstützen? Zur Klärung dieser Frage hat Petra Scherer in den letzten Jahrzehnten maßgebliche Beiträge geleistet. Sie hat dabei stets deutlich gemacht, dass, warum und in welcher Weise gerade diese Kinder auf einen Mathematikunterricht angewiesen sind, der seinem Namen gerecht wird, das heißt: auf einen Unterricht, der das Entdecken, Erkunden, Beschreiben, Weiterführen, Begründen von mathematischen Strukturen in den Mittelpunkt stellt; einen Unterricht, der Kinder nicht belehrt, sondern sie dazu herausfordert und gezielt dabei unterstützt, sich selbst ein tragfähiges Verständnis dieser Strukturen zu konstruieren. Nicht zuletzt dank Petra Scherers Wirken scheint mir all das in der deutschsprachigen Mathematikdidaktik mittlerweile Konsens zu sein. Dennoch tauchen aus anderen Welten immer wieder neue „Förderprogramme“ auf, die völlig konträr dazu stehen. Ein solcher, relativ neuer Ansatz, „Mathe-Lernen nach dem IntraActPlus-Konzept“, wird im folgenden Beitrag einer fachdidaktisch und empirisch gestützten Kritik unterzogen. Dies geschieht in der Hoffnung, den vom Konzept expliziert adressierten Lehrkräften, Eltern, Lerntherapeutinnen und Lerntherapeuten Argumente dafür zu liefern, warum es ein Fehler und keinesfalls im Interesse von Kindern mit Lernschwierigkeiten ist, Verstehen durch Auswendiglernen ersetzen zu wollen, wie es „IntraActPlus“ versucht.