Abstract
Vor dem Hintergrund einer globalisierten Welt, eines um sein Zusammenwachsen ringenden Europas sowie historischer und aktueller Migrationsbewegungen durchdringen in einer sprachlich-kulturell diversen Gesellschaft interkulturelle Fragen alle Lebensbereiche und haben in den letzten Jahrzehnten auch Einzug in die Deutschdidaktik gehalten. Dabei ist Interkulturalität kein genuin deutschdidaktisches, sondern eher ein erziehungswissenschaftliches, anthropologisches, soziologisches, sozialwissenschaftliches, politologisches oder religionswissenschaftliches, in jedem Fall interdisziplinäres Thema, das in vielen Bezugswissen-schaften der Deutschdidaktik bearbeitet wird: in der Bildungs-, Professions- oder Unterrichtsforschung, in der Literaturwissenschaft, Komparatistik oder Linguistik. Betrachtet man Deutschdidaktik und Interkulturalität, so kommen bereits auf begrifflicher Ebene Fragen auf, suggeriert doch die Bezeichnung Deutschdidaktik eine Konzentration auf die Didaktik der deutschen Sprache und deutschsprachiger Literatur sowie auf deutschsprachige Unterrichtspraxis. Was könnte nun Interkulturalität, die auch immer mit einer Öffnung für sprachlich(kulturell)e Vielfalt einhergeht, in der Deutschdidaktik bedeuten? [...] Die im folgenden Artikel vorgenommene Strukturierung des empirischen Forschungsfeldes zu Interkulturalität in der Deutschdidaktik ist eine Möglichkeit neben anderen, das Feld zu sor-tieren, und erweitert die bislang eingenommenen Perspektiven. Im Zentrum stehen empirische Studien aus sozialwissenschaftlicher Perspektive, die sich dem Umgang mit sprachlich-kultureller Diversität im standardsprachlichen (Deutsch-)Unterricht widmen.