Abstract
Wie werden in Essensituationen in der Krippe Interaktionen zwischen frühpädagogischen Fachkräften und Kindern hergestellt? Welche Qualität haben diese aus der Perspektive einer Methodik und Methodologie, die sich normativer Bewertungen enthält? Dies sind die Kernfragen, denen im folgenden Beitrag im Rahmen eines rekonstruktiven Forschungsansatzes nachgegangen wird. Die Entwicklung der Methode der Videobasierten Dokumentarischen Interaktionsanalyse wird ebenso nachgezeichnet, wie am Beispiel von drei Essen-Situationen verschiedene – exkludierende und inkludierende – Modi der Interaktionsorganisation rekonstruiert werden. Dabei wird herausgearbeitet, dass Fachkräfte und Kinder sich auf der Ebene einer konjunktiven, habituell eingespielten Reziprozität verstehen oder aber eine Ebene der Verständigung erst kommunikativ (reflexiv) herstellen (müssen), was insbesondere dann notwendig ist, wenn es zu Krisen und Missverständnissen kommt. Anders als diese responsiven bzw. reziproken Interaktionen, die von Rahmenkongruenz geprägt sind, dokumentiert sich in oppositionellen und divergenten Modi eine Rahmeninkongruenz und der Rückgriff auf Definitions- und Rahmungsmacht gegenüber Kindern. Im Rahmen der Professionalisierung frühpädagogischer Fachkräfte kann die Videobasierte Dokumentarische Interaktionsanalyse dazu beitragen, habitualisierte Alltagspraktiken forschend in den Blick zu nehmen und kritisch zu befragen.