Abstract
Hochschullernwerkstätten als Orte einer anregenden Lernumgebung, des Lernens in Interaktion und des empirischen Forschens bieten im Zusammenhang mit Kinderliteratur zahlreiche Möglichkeiten narrativen Lernens (Hoffmann 2020). Diese werden aus soziologischer Sicht in den Interaktionen zwischen Rezipient*innen, die sich im gemeinsamen Austausch und in gegenseitiger Verständigung Literatur im sozialen Kontext aneignen, verortet (Naujok/Brandt/Krummheuer 2004).
Im Projekt Lehren, Lernen und Forschen in Werkstätten in der Lern- und Forschungswerkstatt Grundschule (LuFo) an der TU Dresden wurden von 2016-2019 deutschdidaktische Seminare angeboten zum Erzählen, Vorlesen oder Schreiben zu Bilderbüchern verschiedener Erzählformen (Hoffmann/Herrmann/Schweda 2019). Die Studierenden gestalteten auf Basis von Erzähltheorie, Literaturdidaktik und empirischer Rezeptionsforschung literarische Arrangements und luden Kindergarten- und Grundschulkinder ein, um gemeinsam visuell erzählte Geschichten zu erkunden.
Der Fokus des Beitrags liegt auf den Interaktionen im Umgang mit Kinderliteratur: zum einen auf den Interaktionen zwischen Studierenden und Kindern bei der Rezeption, zum anderen auf den Verknüpfungen zwischen fiktionalen Interaktionen der literarischen Figuren und realen Erfahrungen der Kinder. Datengrundlage sind die aufgezeichneten und transkribierten Interaktionen zwischen Studierenden und Kindern sowie die Seminararbeiten der Studierenden. Mithilfe der key incident Analyse (Kroon/Sturm 2002) werden Schlüsselszenen in Hinblick auf narrative Lernprozesse in Interaktionen rekonstruiert.