Abstract
Kinder und Jugendliche wurden im vergangenen Jahrhundert in vielen europäischen Ländern2 fortgesetzt Opfer von personaler, strukturaler und epistemischer Gewalt in Institutionen der Jugendwohlfahrt und/oder des Gesundheitswesens. Für Österreich thematisieren diese systematische Gewalt beispielsweise die Veröffentlichungen von Elisabeth Dietrich-Daum u.a. (2017), Hemma Mayrhofer (2013), Michaela Ralser (2014), Horst Schreiber (2014) und Reinhard Sieder (2014). Diese traurige Tatsache spiegelt sich auch im Abschlussbericht der Opferschutzkommission des Landes Kärntens (2013) sowie in den ersten Ergebnissen des Forschungsprojektes „Gewalt an Kärntner Kindern und Jugendlichen in Institutionen“3 wider, welches an die Arbeit der Opferschutzkommission anschließt. Der vorliegende Beitrag wird zunächst auf zentrale Daten der Opferschutzkommission des Landes Kärnten eingehen, um im Anschluss daran das Forschungsdesign der Studie sowie ausgewählter Forschungsergebnisse vorzustellen. Der inhaltliche Fokus wird angesichts des jahrzehntelangen Aufrechterhaltens von Gewalt gegen Kinder und Jugendliche auf den Bedingungen des Thematisierens von sexueller Gewalt in Organisationen liegen, um so historisch nachvollziehbar zu machen, weshalb Gewaltregime der Jugendwohlfahrt und Psychiatrie so wirkmächtig sein konnten (vgl. Ralser 2014) und deren Aufarbeitung von so vielen Widerständen durchzogen ist