Abstract
Egon und Robert, zwei Jungen am Ende des zweiten Schuljahres, sitzen auf einem Sofa im Bibliotheksraum der Schule und schauen sich eine Graphic Novel an bzw. lesen sich gegenseitig hieraus vor. Die Geschichte beginnt mit dem ersten Schultag der Hauptfigur Jean, an dem dieser sich etwas verloren vorkommt und von der älteren Lehrerin sehr eingeschüchtert ist. Auf der Doppelseite zwischen dem ersten und dem zweiten Kapitel angekommen (s. Abb. 1, S. 14-15), entspinnt sich folgendes Gespräch zwischen den beiden Jungen [...]. In diesem kurzen Gesprächsausschnitt sind in verdichteter Form verschiedene musterhafte Strukturen des gegenseitigen Vorlesens von grafisch erzählenden Romanen unter Schulkindern enthalten, um die es in diesem Beitrag gehen wird [...]. Insgesamt erhält man den Eindruck, dass es sich um eine sehr vergnügliche Vorlese- und Gesprächssituation handelt. Diese Form des gegenseitigen Vorlesens bzw. gemeinsamen Bildbetrachtens unter Schulkindern enthält offensichtlich einige (schrift)sprachliche, literarische und ästhetische Lernpotentiale. In der Vorlese-Forschung besteht hierzu allerdings bislang ein Desiderat sowohl hinsichtlich des spezifischen Gegenstandes (Graphic Novels) als auch der spezifischen Interaktionskonstellation (Vorlesen unter Kindern). Der vorliegende Beitrag ist diesem Desiderat gewidmet.