Abstract
Die im Norden Italiens gelegene Autonome Provinz Südtirol ist durch eine sprachlich-kulturelle Vielfalt geprägt. Neben der äußeren Mehrsprachigkeit mit den Landessprachen Deutsch, Italienisch und Ladinisch sowie weiteren migrationsbedingten Sprachen existiert eine innere Mehrsprachigkeit z. B. des Deutschen in Form verschiedener Tiroler Dialekte und Standardvarietäten. Letztere werden als Bildungssprache in pädagogischen Kontexten erworben, wobei Kinderliteratur eine bedeutende Rolle spielt. Sie eröffnet bereits in Vorlesegesprächen Begegnungen mit konzeptioneller Schriftlichkeit. Die empirisch-qualitative Studie IMAGO. Bilderbücher – mehrsprachig, gereimt und textlos – in Kindergärten und Grundschulen in Südtirol geht der Frage nach, wie unterschiedlich erzählende Bilderbücher den Sprach- und Literaturerwerb im mehrsprachigen Kontext unterstützen. In diesem Beitrag wird anhand ausgewählter key incidents aus einem transkribierten Imaginations- und Vorlesegespräch in einer deutschsprachigen Grundschule zu einem gereimten Bilderbuch gezeigt, wie das Gespräch im Kontinuum zwischen Dialekt und Standardsprache gestaltet ist, welche bildungssprachlichen Angebote die Kinder durch die Lehrerin erhalten und welche Bedeutung dem fiktionalen und in gereimter Sprache verfassten Bilderbuch dabei zukommt.