Abstract
Seit über vierzig Jahren bestätigen viele Untersuchungen (anfänglich aus Kanada), dass Formen früher schulischer Mehrsprachigkeit dem Kind in vielerlei Hinsicht zum Vorteil gereichen: über die Entwicklung sprachlicher Fähigkeiten hinaus entwickeln sich parallel weitere kognitive Fähigkeiten, die bei mehrsprachigen Kindern generell positiver ausfallen als bei einsprachig geschulten Kindern. Erstes Ziel des Vortrages ist es, diese Resultate zu beleuchten, mitunter auch kritisch zu hinterfragen und mit neueren Erkenntnissen, bspw. aus den Bereichen der Neurobiologie der Mehrsprachigkeit, in Verbindung zu bringen. Ferner soll der heutige, handlungspraktische Zustand kurz beleuchtet werden: Wie können zum jetzigen Zeitpunkt Erkenntnisse aus der Forschung in die Alltagspraxis überführt erden? Dabei soll Wert gelegt werden auf die Tatsache, dass sich in Europa unterschiedliche Modelle der mehrsprachigen Erziehung herausgebildet haben, die sich aus historischen Gründen wie aus spezifischen neuzeitlichen Sprachkontaktsituationen heraus ergeben haben. Dem außerschulischen Bereich sowie der Kultur- und Sprachvermittlung kommt hierbei eine wichtige Rolle zu. Vor diesem Horizont soll schließlich für das Konzept der „Kultursensitivität“ plädiert werden. Gemeint ist damit, dass das kognitive Potenzial von Individuen, Kontextfaktoren eines Territoriums und bildungspolitische Maßnahmen im europäischen Kontext zu einer lokal tragbaren Lösung überführt werden müssen. In diesen Sinne werden auch Empfehlungen der „High Level Group on Multilingualism“, die im Oktober 2006 vom zuständigen EU-Kommissar eingerichtet worden ist und deren Mitglied die Referentin ist, zur Sprache kommen.