Abstract
Die Vermittlung guter Sprachkompetenzen im geschriebenen Standarddeutsch obliegt der schulischen Ausbildung. Lehrkräfte sind dabei angehalten, falschen oder unangemessenen Sprachgebrauch zu korrigieren und auf einen korrekten bzw. angemessenen Sprachgebrauch zu achten. Allerdings ist die Grenze zwischen falschem und unangemessenem Sprachgebrauch nicht immer einfach zu ziehen, was dazu führen kann, dass beispielsweise sprachliche Neuerungen als falsch betrachtet werden, ohne dem Phänomen des Sprachwandels gerecht zu werden.
Dieser Beitrag möchte anhand authentischer Sprachbeispielen aus Schülertexten aus der Oberstufe für eine bewusste Unterscheidung von Sprachsystemfehlern und Normverstößen im Deutschunterricht plädieren. Dazu wurden grammatische Fehler aus dem Schülertexte-Korpus KoKo analysiert und nach System- und Normfehler unterschieden. Eine solche Unterscheidung kann Sprachwandelphänomenen und regionalsprachlicher Variation gerecht werden und über die Auseinandersetzung damit im Deutschunterricht das Bewusstsein für sprachliche Variation bei SchülerInnen fördern.