Abstract
Themen wie die Digitale Transformation, Industrie 4.0 und Künstliche Intelligenz verändern aktuell die Produktionsstätten sowie die Prozesslandschaft in den Unternehmen. Neueste Technologien und innovative Produktionsmethoden finden Einzug in die Fabriken und treffen dort sehr häufig auf Menschen, die derzeit noch wenig mit diesen technisch hochentwickelten Hilfsmitteln anzufangen wissen. Dies mündet nicht selten in eine geringe Akzeptanz seitens der Mitarbeiter oder auch einfach darin, dass teure Maschinen in der Ecke verstauben oder kollaborative Roboter aus Sicherheitsgründen in klassischen eingezäunten Roboterzellen ihren wenig zweckmäßigen Einsatz finden. Während in Europa inzwischen eine Vielzahl an verschiedenen Programmen zu Industrie 4.0 gestartet wurden, um den Unternehmen neue Technologien mitunter auch mittels steuerlicher Erleichterungen schmackhaft zu machen, leidet die Industrie seit Jahren nahezu krankhaft unter einem Fachkräftemangel. Das Angebot an ausgebildeten Technikern und Ingenieuren, welche die neuen Industrie 4.0 Technologien beherrschen und erfolgreich im Unternehmen einzusetzen vermögen ist rar. Diese Tatsache setzt inzwischen die Hochschullandschaft sowie die Ausbildung von Technikern sehr stark unter Druck entsprechende Qualifikationsprofile zu entwickeln und möglichst rasch mehr Angebot auf dem Arbeitsmarkt zu schaffen (IngenieurDE, 2019).
Daher steht die Fachkräfte- und Ingenieurausbildung vor der Herausforderung sich selbst quasi neu zu erfinden, um "digitale Ingenieure" oder Industrie 4.0 Fachkräfte zu „produzieren“. Diese Art der Transformation der Schul- und Hochschulbildung wird auch als Engineering Education 4.0 bezeichnet und wird notwendig, um den zukünftigen Anforderungen der Industrie gerecht zu werden (Jeganathan et al., 2019). Hochschulen und Bildungseinrichtungen entwickeln daher neue Studiengänge und Lehrmethoden, um diesen Bedürfnissen Folge zu leisten (Ramirez-Mendoza et al., 2018; Grodotzki et al., 2018).
Um Antworten auf diese Herausforderung für den Alpenraum zu finden und entsprechende Maßnahmen abzuleiten wurde ein transnationales Projekt namens „Engineering-Education 4.0“ (kurz E-EDU 4.0) von Bildungsorganisationen in Österreich und Italien ins Leben gerufen. Im Projekt wird zunächst das aktuelle Angebot an Aus- und Weiterbildung untersucht und gemeinsam mit Stakeholdern die Anforderungen an neue Studiengänge für junge Talente sowie Schulungsmaßnahmen für existierende Fachkräfte in den Betrieben definiert. Als weitere Zielgruppe werden auch Lehrende in den Schulen und Universitäten berücksichtigt, da zunächst vor allem diese Zielgruppe in Industrie 4.0 Technologien ausgebildet werden sollte.
Dieses Kapitel beinhaltet zum einen eine Aufnahme der Herausforderungen und des aktuellen Stands der Forschung zu Engineering Education 4.0 auf internationaler und europäischer Ebene. Zum anderen beschreibt das Kapitel, welche Lösungen bzw. Maßnahmen im Projekt ergriffen werden, um der großen Nachfrage seitens der Unternehmen Folge zu leisten und die Situation am Arbeitsmarkt mittel- und langfristig entspannen zu können.