Abstract
Der Europäischen Sprachenpolitik mit dem Schwerpunkt gelebter Mehrsprachigkeit stellt sich die Barriere des zu geringen Erfolgs des gesteuerten Zweit- und Fremdsprachenerwerbs entgegen. Hindernis auf dem Weg dazu stellt nicht die „fremde“ Sprache dar, die alle lernen, um im internationalen Umfeld handeln zu können, sondern die „zweite“ Sprache, die Sprache des Nachbarn, die Sprache, die man lernt, um mit den Menschen der näheren Umgebung zu sprechen.
Vor dem Hintergrund aktueller Forschungen der Kognitionswissenschaft und des Spracherwerbs und umfangreicher eigener Vorarbeiten wird ein Modell des Lehrens und des Lernens der deutschen Sprache vorgestellt, das in der gesprochenen Sprache des Alltags seine ursprüngliche Bestimmung findet. Schwerpunkte sind die Prosodie als Mittler zwischen den kognitiven Grundlagen des Sprechens und den aktuellen Sprechakten mit besonderer Berücksichtigung der Lernersprache und die theoretisch begründete Aufmerksamkeit auf das erste Stadium des Spracherwerbs auch bei erwachsenen Lernern. Einen innovativen Aspekt stellt die Analyse von journalistische Kurztexte dar, die im Sprachunterricht als Prototypen idiomatisch geprägter Umgangssprache für Anfänger wie für Fortgeschrittene eingesetzt werden können. Eine nuancierte Darstellung findet die Problematik des Zweitspracherwerbs in Südtirol.