Abstract
Anhand eines Lesebuches aus der ersten Zeit der faschistischen Herrschaft in Italien - Madre Terra [Mutter Erde] - arbeitet Norbert Parschalk (Freie Universität Bozen, Italien) detailliert heraus, in welcher Weise christliche Erzählungen, Motive und Symbole geschickt instrumentalisiert wurden, um die Haltung der Ehrfurcht und Hingabe von Gott auf den Staat und seinen Führer Mussolini zu übertragen. Dies belegt der Autor beispielsweise für das Motiv des Märtyrertums und für das Bild der um ihren Sohn trauernden Mutter. Textbeispiele im Anhang des Beitrags zeigen die Linienführung vom leidenden Sohn Gottes - der offenbar bewusst nie bei seinem Namen genannt wird - zum Duce Mussolini, der sich in der Nacht des politischen „Karfreitags“, in den in den Augen der Faschisten Italien zu Beginn des 20. Jahrhunderts geraten war, mit seinen Anhängern erhob („auferstand“), um das Werk der Menschenrevolution, das jener Sohn Gottes begonnen hatte, zu vollenden.