Abstract
Belletristik entsteht nach Egon Friedell dann, wenn sie erkenntnisreich ist und uns den tieferen Sinn von Wirklichkeitserfahrungen erläutert. Kunst, die uns nichts beibringt oder lehrt und uns nicht beisteht, unsere Lebenswelt zu begreifen, uns nicht hilft, unser Sein in ihr zu interpretieren, besitzt kaum ästhetischen Wert. Das sind hohe Ansprüche an eine schöne Literatur, die mehr als Unterhaltung sein soll. Nicht nur kognitiv und intellektuell kann sie helfen, unser Leben besser zu verstehen und zu bewältigen. Ganz praktisch und konkret vermag sie auf uns einzuwirken und unsere Biographie zu steuern. Gesteht man den anekdotischen Erinnerungen von Karl Popper und Konrad Lorenz eine gewisse Wahrheit zu, dann passierte genau das mit den beiden bekannten Wissenschaftlern: Der Wissenschaftstheoretiker Karl Popper verliebte sich angeblich in Selma Lagerlöf, so berauscht war er von ihren Erzählungen. Und der Verhaltensforscher Konrad Lorenz verliebte sich in die Graugänse der schwedischen Autorin, mit den bekannten Folgen für die Verhaltensforschung.