Abstract
Im Gebirge ist die Kälteeinwirkung v. a. bei Nässe und Wind allgegenwärtig. Nicht nur beim Lawinen- und Gletscherspaltenunfall, sondern bei allen verletzten und erschöpften Bergsteigern kann im Winter wie im Sommer eine begleitende akzidentelle Hypothermie, d. h. eine ungewollte Körperkerntemperatur (KKT) unter 35 °C, vorliegen. Der Schweregrad kann im Gelände am besten anhand des Bewusstseinszustandes geschätzt werden. Wenn möglich, sollte zusätzlich die KKT gemessen werden, da die klinische Symptomatik sehr variabel sein kann. Die Unterkühlung reduziert den Sauerstoffverbrauch und erhöht damit die Überlebenschancen bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand. Daher kann selbst nach längerem Herzstillstand und nach stundenlanger kardiopulmonaler Reanimation (CPR) das Outcome gut sein. Der Tod akzidentell hypothermer Patienten sollte nur dann festgestellt werden, wenn eine mit dem Leben nicht vereinbare Situation vorliegt. Im Allgemeinen gilt: „Niemand ist tot, solange er nicht wiedererwärmt und tot ist.“