Abstract
Das Problem stofflich-ökologischer Grenzen gesellschaftlicher Reproduktion oder besser "Sustain-Ability", hier einmal als "Selbsterhaltungsfähigkeit" übersetzt, wirft eine Menge von Fragen auf, nicht nur für die Praxis des ökologischen Umsteuerns, sondern auch für die Theorie der Gesellschaft. Der folgende Aufsatz will eine Übersicht vermitteln und stellt den Versuch dar, die mit der Strategie des Sustainable Development (SD) gegebene Problematik innerhalb von 5 Schritten systematisch anzugehen. Die Problematik soll identifiziert und begriffen werden, Lösungsansätze und Hemmnisse sollen dargestellt und durch einen Ausblick abgerundet werden. Dabei wird wert darauf gelegt, in jedem der Kapitel die Problematik auf Seiten der gesellschaftlichen Praxis und auf Seiten der Theorie der Gesellschaft aufzuzeigen und - zielend auf eine Programmatik ökologischer Modernisierung - aufeinander zu beziehen. Schritt 1 ("Was ist das Problem?") lokalisiert das Theorieproblem in der Ausblendung der stofflich-ökologischen Dimension innerhalb der soziologischen Theoriebildung, während das Praxisproblem als Rückbetroffenheit der menschlichen Gesellschaft durch Emissionen, Umweltveränderungen und Ressourcenverknappungen identifiziert wird. Schritt 2 ("Wie läßt es sich fassen?") begreift das Theorieproblem in Gestalt eines zweistufigen Systembegriffs der Gesellschaft, der sowohl ihre materiell-energetische Offenheit als auch ihre symbolisch-kommunikative Geschlossenheit thematisieren soll, während das Praxisproblem als ein solches der Regulierung des Stoffwechsel von Natur und Gesellschaft begriffen wird. Schritt 3 ("Wie läßt es sich lösen?") plädiert hinsichtlich des Theorieproblems für die Perspektive einer sozio-ökologischen Weiterentwicklung der Theorie der Gesellschaft und favorisiert dabei die Variante einer sozio-ökologischen Systemtheorie, während die Lösung des Praxisproblems durch SD als möglich qualifiziert wird. Schritt 4 ("Was steht dem entgehen?") identifiziert das Theorieproblem insofern die historisch gewachsene Identität des Faches gegenüber anderen Disziplinen in Form einer ontologischen Abgrenzung erfolgte, die Kultur nur durch kulturelle nicht aber naturale Faktoren erklärbar werden läßt, während das Praxisproblem u.a. anhand der Faktoren des Andauerns systemisch induzierter Wachstumsimperative, der flexibilitätsbegrenzenden Stabilität von Rahmenbedingungen und der Lernprozesse hemmenden Trägheit von Strukturen verortet wird. Schritt 5 ("Was kann man tun?") verweist hinsichtlich der Theorie auf die Notwendigkeit sozio-ökologische Interdepenzen innerhalb von verschiedenen Feldern zu untersuchen und kleinzuarbeiten, während hinsichtlich der Praxis auf Ökosteuern und internationale Verträge sowie Möglichkeiten der Konfliktbearbeitung und Demokratisierung rekurriert wird.