Abstract
Torf hat sich seit der letzten Eiszeit in einem Zeitraum von Jahrtausenden in Mooren und Feuchtgebieten gebildet. Darin wird bis zu einem Drittel des weltweiten Bodenkohlenstoffs gebunden und damit doppelt so viel Kohlenstoff wie in den Wäldern der Welt. Der Erhalt dieses Kohlenstoffspeichers ist für das Erreichen der globalen Klimaziele von entscheidender Bedeutung (UNEP 2022). Torf besteht im Wesentlichen aus abgestorbenem Pflanzenmaterial dessen vollständige Zersetzung durch eine Wassersättigung und damit einhergehend einer Unterbindung der Luftzufuhr gestoppt wurde. Durch den Abbau und die Nutzung kommt Torf jedoch wieder in Kontakt mit sauerstoffreicher Luft. Damit werden die unterbundenenmikrobiologischen Zersetzungsprozesse fortgesetzt, das Material mineralisiert und der Kohlenstoff wird in Form von Kohlendioxid freigesetzt. In Hinblick auf den Klimaschutz müssen daher alle Anstrengungen unternommen werden, um die Nutzung von Torf zu reduzieren und diesen durch alternative Substrate zu ersetzen, auch wenn ihm in der Landwirtschaft (besonders im Gartenbau und in der Pilzzucht) noch immer eine große Bedeutung zugesprochen wird.
Auch in Südtirol wird noch Torf aus Torflagerstätten im Südtiroler Unterland abgebaut. Dadurch geht der wertvolle fossile Kohlenstoffspeicher verloren, er wird zur Kohlendioxidquelle und trägt damit direkt zu Treibhausgasemissionen und indirekt zum vom Menschen verursachten Klimawandel bei.
In der vorliegenden Studie haben Forscher:innen von Eurac Research in Zusammenarbeit mit der Universität Innsbruck zum ersten Mal Kohlenstoff- und Stickstoffgehalte, sowie Methanemissionen des in Südtirol abgebauten Torfs genauer untersucht. Um das Klimaerwärmungspotential, das durch den Abbau und die Nutzung des Torfs freigesetzt wird zu quantifizieren, wurden aufbauend auf den erhobenen Daten und den Richtlinien des Weltklimarates (IPCC) die on-site und off-site Treibhausgasemissionen von Methan, Kohlendioxid und Lachgas in CO2 Äquivalenten (CO2e) nach einem „Tier-1“ Ansatz berechnet. Nicht berücksichtig wurden die Emissionen, die durch den Treibstoffverbrauch bei der Entnahme, der Lagerung und dem Transport zu den Nutzer:innen des Torfs entstehen, da dafür gesicherte Daten fehlen.
Pro abgebautem Kubikmeter Torf werden in Summe (on-site und off-site) rund 199 kg Kohlendioxid-
Äquivalente (CO2e) emittiert. Da in den Torfabbaugebieten Südtirols jährlich im Schnitt 70.500 m³ abgebaut werden, entspricht dies einer jährlichen Emission von rund 14.000 t CO2e. Seit der ersten Genehmigung zum Torfabbau im Jahre 1979 wurden in Südtirol ca. 2 Millionen Kubikmeter an Torfmaterial auf einer Fläche von 40-45 ha abgebaut, dies entspricht einer Emission von rund 400.000 t CO2e. Die derzeit aktiven Konzessionen von Torfstichen im Unterland erlauben einen Abbau von bis zu 1,5 Millionen Kubikmeter was zu einer weiteren Emission von rund 300.000 t CO2e führen würde. Die Ergebnisse dieser Studie zeigen die Klimarelevanz der CO2e Emissionen durch den Torfabbau in Südtirol und unterstützen eindeutig das Ziel im Klimaplan 2024 der Südtiroler Landesregierung, keinen neuen Abbau von Torf in Südtirol zu genehmigen.
Die Torflagerstätten befinden sich weitgehend unter Intensiv-Obstanlagen, die in Bezug auf die Biodiversität relativ arm sind und in denen primär Generalisten vorkommen. Durch den Torfabbau in seiner jetzigen Form entstehen kleinere Wasserflächen, die mehrere Jahre offenbleiben. In diesen Sekundärlebensräumen kommen zwei über die FFH-Richtlinie der Europäischen Union geschützte Amphibienarten, die Gelbbauchunke und die Wechselkröte, vor. Allerdings sind diese ephemeren Gewässer in den Torfgruben für langfristigen Erhalt dieser geschützten Arten nicht geeignet, da sie als Produkt einer wirtschaftlichen Tätigkeit keine längerfristige Standortskontinuität garantieren. Zudem wird durch den Torfabbau standortfremdes Material eingebracht, das eine zukünftige Renaturierung des Gebietes deutlich erschwert. Damit stellen diese Sekundärlebensräume keinen dauerhaften Vorteil für die Biodiversität des Gebietes dar. Stattdessen sollten Maßnahmen ergriffen werden zumindest an Teilstrecken der Etsch den ursprünglichen Auwaldcharakter wiederherzustellen.