Abstract
Dies ist der Versuch einer Neubewertung des Begriffspaares „Einheit und Vielfalt“ anhand des europäischen Kirchenmannes Nikolaus von Kues (Cusanus), vor allem ausgehend von seinem Werk „De pace fidei“ („Über den Frieden im Glauben“). Neben der religionspolitischen Ausrichtung von Cusanus (1401-1464), die auf eine Verständigung der Weltreligionen abzielt, ist er auch ein gesellschaftspolitischer Denker Europas. Cusanus, dessen 550. Todestag im Jahr 2014 begangen wurde, führt mit dem Konzept des „Spiritus Conexionis“ („Geist der Verknüpfung“) eine entscheidende Denkfigur zum Verständnis von Einheit und Vielfalt ein. Dabei wird Vielheit immer unter dem Aspekt einer übergeordneten Einheit gesehen. Demnach ist die Vielheit in der Einheit „eingefaltet“ und die Einheit in der Vielheit „ausgefaltet“. So wird die Vielheit erst zur Vielheit aus der Perspektive eines ständig fortlaufenden Prozesses der Vereinheitlichung. Mit dem Konzept des Spiritus Conexionis eröffnet sich ein theoretischer Anknüpfungspunkt für ein alternatives Akkulturationsmodell, das zu einem friedlichen interethnischen Zusammenleben in Europa mittels eines pluralistischen Kulturansatz einlädt. Diese Verknüpfung heißt aber auch im Bereich der Migration nicht Vermischung, sondern die Beibehaltung der auf Einheit ausgerichteten kulturellen Vielfalt. Der vorliegende Band ist aus einer Diplomarbeit an der Theologischen Fakultät der Universität Innsbruck hervorgegangen.