Abstract
Der Bezugsrahmen für Kommunkation und Kooperation zwischen den Sprachgruppen in Südtirol ist noch eng und begrenzt. Die Sprachgruppen leben noch stark in getrennten Welten, weil es kein gemeinsames kollektives Gedächtnisgibt, in dem bedeutsame Episoden gemeinsam gestalteter Geschichte aufbewahrt wären und weil die Trauerarbeit über die Gewalt, die sie einander im Laufe der Geschichte zugefügt haben weitgehend "versäumt" wurde.
In der Beziehung zwischen den Sprachgruppen spielt der Mechanismus der "Entwertung" immer noch eine zentrale Rolle und verhindert das Entstehen von Solidarität. Das Zusammenleben der Sprachgruppen ist noch stark durch die soziale Erzeugung von Distanz charakterisiert. Sie hat die Funktion, die Fragmentierung der Gesellschaft , zumeist nach ethnisch-gemeinschaftlichen Krieterien der Zugehörigkeit, zu erhalten und zu zementieren.
Dieses Buch ist ein versuch, durch genaues Hinsehen zu lernen, was erzwungene "Nähe" beid en betroffenen Menschen und beid en Sparchgruppen auslöst, wie damit politisch umgegangen wird, welche Gefahren damit verbunden sindaber auch welche Möglichkeiten sich eröffnen, wenn die Personen sich diese "Nähe" selbst aneignen. Denn sie verlassen damit bewusst den erniedrigenden Status politischer Objekte und kooperieren mit den Personen der anderen Sprachgruppe im Interesse und zum Vorteil aller und realisieren so die Bedingungen für eine Zivilgesellschaft.