description: Diese Publikation ist das Ergebnis einer interdisziplinären Arbeit, die verschiedene Perspektiven vereint hat. Für die ökonomische Analyse wurde die demografische Entwicklung mit sozialwissenschaftlichen Methoden kombiniert. Dieses kurze Vorwort dient als Anleitung zur Studie und soll potenzielle Missverständnisse bei der Interpretation durch den Leser vermeiden: Die Arbeit legt ein großes Gewicht auf die finanziellen Aspekte der Pflege. Dies bedeutet keinesfalls, dass Geld bei der Sicherung der Pflege der wichtigste Aspekt ist. Engagierte Pflegekräfte, gute Infrastrukturen und ein tragfähiges lokales und familiäres Netz sind deutlich wichtiger. In dieser Studie wird der Fokus auf die Finanzierung der Pflege gelegt, weil sich viele qualitative Elemente in einem Pflegesystem einfacher verwirklichen lassen, wenn die Finanzierung gesichert ist. Geld pflegt nicht, aber mit den notwendigen finanziellen Ressourcen kann man qualitative Pflege leichter organisieren. Die Arbeit wurde im Laufe von zwei Jahren (2021-2023) durchgeführt und basiert auf den damals verfügbaren Daten. Es muss jedoch berücksichtigt werden, dass diese Studie einen Zeithorizont bis 2035 ins Auge fasst, daher sind die Daten und qualitativen Überlegungen weiterhin gültig. Die vorliegende Studie will die finanzielle Herausforderung im Bereich der Pflege quantifizieren und potenzielle Lösungsinstrumente andenken. Die Arbeit beinhaltet viele Aspekte, die aus anderen Studien und regelmäßigen Berichten bereits bekannt sind. Diese wurden durch einige Aspekte ergänzt (Befragung pflegender Menschen, Befragung zu unterschiedlichen Finanzierungsmodellen der Pflege). Das Hauptziel der Arbeit ist es aber, die Ergebnisse der verschiedenen Studien in Beziehung zu setzen und sie dadurch zu valorisieren. Die Arbeit ist nicht als Kochbuch für die Lösung des Pflegeproblems nach dem Motto "man nehme…" zu verstehen. Für jeden Problembereich gibt es unterschiedliche Lösungsansätze, und die Entscheidung welchen Weg man wählt, beinhaltet Werturteile. Werturteile für die Gesellschaft sind in einer Demokratie die Aufgabe der durch Wahlen legitimierten Politiker:innen-nicht von Expert:innen. Es lässt sich nicht vermeiden, dass aus dem Text manchmal klar wird, dass die Autor:innen eine Lösung gegenüber einer anderen bevorzugen. Es ist jedoch wichtig, dass die Entscheidung, bestimmte Richtlinien in der Sozialpolitik zu verfolgen, von der Politik getroffen wird. An Stelle eines Vorworts Altern in Südtirol. 2 Nach dieser Rekontextualisierung der vorliegenden Arbeit kann man sich zu Recht fragen, was zur Lösung des Pflegeproblems getan werden kann. Hier einige Punkte, die die Autor:innen für wichtig halten: Wenn man über die Kosten der Pflege spricht, denkt man häufig an die Kosten des Pflegegeldes, die mit deutlich mehr als 200 Mio. € auch schon bedeutsam sind. Das ist aber viel zu eng gefasst: nimmt man die Kosten des Sanitätswesens, die Kosten für die Errichtung der Infrastrukturen, die Kosten bezahlter Hauspflege und den materiellen Wert (der immaterielle ist noch viel größer) der familiären Pflege dazu, sprechen wir über den 3 bis 4-fachen Betrag. Diese Gesamtbetrachtung ist wichtig, wenn man abschätzen will, wie viel für die Pflege (bei Beibehaltung der derzeitigen Rahmenbedingungen) aufgebracht werden muss. Dass Pflege teurer wird, ist jedem klar. Als wichtigster Faktor wird dabei meist der demografische Wandel genannt. Tatsächlich sind die Wirkungen, die durch einen Mangel an Pflegekräften und durch fragilere Familienstrukturen mit der einhergehenden geringeren Möglichkeit der familiären Pflege ausgehen, tatsächlich noch wichtiger. Pflegesituation ist nicht gleich Pflegesituation. Aus dieser trivialen Feststellung folgt aber, dass es kein einzelnes Instrument zur Bewältigung dieses Problems geben kann. Daher ist jede Diskussion nach dem Motto "Da gibt es doch schon das Model …" bereichernd, weil man von anderen lernen kann, aber eben auch stark verkürzend. Jede Region benötigt einen "Werkzeugkasten der Pflege", der auf die Situation zugeschnitten ist. Es wird immer wieder die behauptet, dass man Wähler:innen nichts zumuten darf, weil man sonst sofort abgestraft wird. Die vorliegende Arbeit enthält einige Ergebnisse einer kleinen Umfrage zu Fragen der Pflegefinanzierung. Obwohl nicht repräsentativ stellt sich ein Punkt klar heraus: Bürger:innen erklären sich durchaus bereit, sich mit einem Problem auseinanderzusetzen, das sie aus nächster Nähe kennen und bei dem sie oft als familiäre Pflegepersonen direkt involviert sind. Das Ergebnis ist, dass sie klarsehen, dass die Lösung der Langzeitpflege Ressourcen erfordert. Mit einer transparenten Kommunikation ist die Gesellschaft viel offener für Veränderungen, als es ihr manche Autoren zuschreiben. Vielleicht helfen diese Punkte bei der Lektüre und machen neugierig. Für Leser:innen, die die Zeit einfach nicht aufbringen können noch ein Insider Tipp: mit den Kapiteln 3.7 und 10 erhält man schon einen guten Überblick über die Ergebnisse. 3 Bausteine für die nachhaltige Sicherung einer qualitätsvollen Pflege Die vorliegende Arbeit wäre ohne die selbstlose Unterstützung vieler Menschen und Institutionen nicht denkbar gewesen. Es ist den Autor:innen ein besonderes Anliegen, den Familienangehörigen zu danken, die sich um die Pflege ihrer Angehörigen kümmern und die in bewegender Weise bereit waren, über ihre Situation Auskunft zu geben. Es wäre uns nicht möglich gewesen, mit diesen im wahrsten Sinn des Wortes "Leistungsträger:innen" Kontakt aufzunehmen, wenn uns nicht die Leiterin der Hauskrankenpflege und der Leiter des Hauspflegedienstes über das Vertrauen, das ihre Mitarbeiter:innen zu den Familien aufgebaut haben, den Zugang ermöglicht hätten. Diesen Menschen, die wir nicht alle namentlich erwähnen können, möchten wir ganz besonders danken. Die telefonische Befragung der pflegenden Familienmitglieder wurde durch Mitarbeiter:innen der Firma Apollis geleistet. Es war keine gewöhnliche Befragung, und die teils emotionalen Interviews waren für diese Mitarbeiter:innen sicher nicht immer einfach zu handhaben. Danke! Die Meinungserhebung zu möglichen Finanzierungsalternativen wurde im Rahmen eines Panels der Firma RCM-Solutions durchgeführt. Auch diesen Befragten sei an dieser Stelle gedankt. Ein besonderer Dank gilt auch den Studierenden des Studiengangs Bachelor Sozialarbeit der Freien Universität Bozen, die im Rahmen der Lehrveranstaltung Einführung in wissenschaftliches Arbeiten und qualitative Sozialforschung die qualitative Befragung bei den pflegenden Familienangehörigen vorbereitet und mit großem Engagement durchgeführt haben. Viele wichtige Inputs haben wir von Institutionen und Mitarbeiter:innen von Einrichtungen erhalten, die seit Jahrzehnten in diesem Bereich arbeiten. Stellvertretend seien hier der Dachverband der Heime und der Dachverband für Soziales genannt. Auch Kolleg:innen, die zum Thema dieser Broschüre wissenschaftlich gearbeitet haben haben uns unterstützt. Überall haben wir offene Türen gefunden. Ganz besonders waren wir auf die Hilfe von Mitarbeiter:innen des Landes Südtirol, besonders der Abteilungen Soziales und Gesundheit, angewiesen. Ob es dabei um Daten, um rechtliche Grundlagen, die Zuverlässigkeit bestimmter Eckdaten oder um die Praxis der Pflegeeinstufung ging, wir fanden immer ein offenes Ohr. Es ist uns bewusst, dass unsere Nachfragen manchmal naiv geklungen haben und mit Sicherheit auch lästig waren. Daher ein ganz besonderes Danke. Wir sind zuversichtlich, dass wir mit der Unterstützung der genannten und noch vieler anderer Helfer:innen einen Beitrag zur Erreichung eines gemeinsamen Zieles leisten: möglichst optimale Rahmenbedingungen für die Pflege und Betreuung von Senior:innen, die hierauf angewiesen sind.