Abstract
Die Professorin der Universität Bozen Ulrike Loch ist mit dem Kärntner Menschenrechtspreis ausgezeichnet worden. Die Soziologin arbeitet in einem breit angelegten Forschungsprojekt Gewalt an Kärntner Kindern und Jugendlichen in heilpädagogischen Institutionen auf. Die Minderjährigen wurden ab 1940 am Landeskrankenhaus Klagenfurt fünf Jahrzehnte lang systematisch misshandelt und stigmatisiert.
Wie konnte es zu der jahrzehntelangen Gewaltausübung kommen? Wieso haben so viele Fachkräfte das Leid der Kinder nicht gesehen oder nicht gehandelt? „Wir wollten verstehen, welche Faktoren dazu führen, dass Politik, Gesellschaft und die Verantwortlichen der Strukturen trotz zahlreicher Hilferufe von Seiten der Betroffenen derart gravierende Übertretungen über so lange Zeit ignorieren konnten“, so Loch. Institutionelle Gewalt verliere ihre zerstörerische Wirkung erst, wenn die Taten beendet würden und darüber öffentlich so gesprochen werden könne, dass sie als Menschenrechtsverletzung anerkannt werden.