Abstract
Dem Wissen von Schüler*innen wird im Sportunterricht jüngst verstärkt Bedeutung beigemessen
(u. a. Wibowo et al., 2021). Die Aktivierung von Wissen soll das unterrichtliche
Lernen bereichern und den Aufbau von transferfähigen Wissensstrukturen ermöglichen.
Jedoch wird kaum darüber diskutiert, welches Wissen erworben werden soll bzw. welche
Beschreibungseinheit fachdidaktisch relevantes Wissen offenbaren kann. Sobald die
Lernziele – wie etwa in der pragmatischen Sportdidaktik – über das Bewegungskönnen
hinausreichen, wird es notwendig, nicht-assoziative (implizite) wie auch assoziative (explizite)
kognitive Aspekte in der Beschreibung von Wissen zu berücksichtigen.
Im Beitrag wird eine handlungstheoretische Perspektive (Nitsch, 2004) eingenommen und
der Fokus auf das Handlungswissen (Anderson & Lebiere, 1998) gerichtet. Mittels entsprechender
Kategorien wird der, von Bähr et al., (2016) videographierte und anschließend in
Gruppen diskutierte, Sportunterricht zum Thema Wagnis reanalysiert. Dabei wird das
H-Wissens eines 14-Jährigen (9. Stufe) nach der Erkundung von Rola-Bolas beschrieben.
Dies soll exemplarisch aufzeigen, (1) wie sich H-Wissen in H-Situationen aktiviert, (2) wie
sich das H-Wissen im Unterrichtsprozess erweitert und (3) welche Inhalte es am Unterrichtsende
abbildet.
Die Analysen offenbarten erlebte Aspekte der H-Valenz und H-Kompetenz sowie differenzielles,
deklaratives und prozedurales Wissen zum Umgang mit Rola-Bolas. Der Wissenserwerb
ließ sich zudem auf konkrete Situationen zurückführen. Über das beschriebene
H-Wissen wird weiterführend diskutiert, inwieweit die vorgeschlagene Analyseeinheit das
Wissen im Horizont einer pragmatischen Sportdidaktik sichtbar macht und Fragen der
kognitiven Aktivierung aufklärt.