Abstract
Fragestellung
Ziel der Umfrage war es zu erheben, wie digitale (Assistenz)Technologien von mittelalten, älteren und hochaltrigen Menschen in einer ländlich geprägten und mehrsprachigen mitteleuropäischen Region genutzt und akzeptiert werden. Die Hauptuntersuchungsbereiche waren: (a) aktuelle Nutzung von (Assistenz)Technologien; (b) Einfluss der Coronapandemie auf Techniknutzung; (c) Informationsbeschaffung in Bezug auf Technik; (d) Nützlichkeitsbewertung von neun verschiedenen Assistenztechnologien, die sich in Anwendungsbereich, Marktreife, und Berührung der Privatsphäre unterschieden.
Methode
Der Umfrageleitfaden wurde basierend auf bisheriger Technikakzeptanzforschung (u.a. Technology Acceptance Model) konzipiert und bezog Indikatoren für subjektives Alter, subjektive Gesundheit, Pflegeerfahrung und Lebensqualität ein. Die Umfrage wurde als Telefonbefragung mit einer Zufallsstichprobe (N=616, Alter: 40-98) Ende 2020 in der Provinz Bozen durchgeführt. Mittels multipler linearer und binärer logistischer Regressionsanalysen wurden die robustesten Prädiktoren (alle p<.05) in den vier Untersuchungsbereichen identifiziert. Die Aufnahme von Prädiktoren in die einzelnen Analysen erfolgte aufgrund theoretischer Überlegungen sowie deskriptiver und inferenzstatistischer Voranalysen.
Ergebnisse
(a) Personen mit jüngerem Alter, italienischer Hauptsprache (im Gegensatz zu Deutsch und Ladinisch), höherer Bildung und höherer allgemeiner Technikakzeptanz nutzen mehr (Assistenz)Technologien; (b) vor allem jüngere Personen und Personen mit höherer Bildung nutzen während der Coronapandemie vermehrt Technologien zur Information, Kommunikation und Unterhaltung; (c) wie Personen an Informationen zu Technik kommen und ob sie wahrnehmen genügend Informationen zu erhalten, hängt von sehr unterschiedlichen Faktoren ab; (d) besonders Personen mit italienischer Hauptsprache und hoher allgemeiner Technikakzeptanz nehmen die neun Assistenztechnologien als nützlich wahr. Insgesamt scheint chronologisches Alter auf viele Variablen einen höheren Einfluss zu haben als subjektives Alter; Bedenken in Bezug auf Datenschutz und Privatsphäre waren weniger ausgeprägt als erwartet.
Schlussfolgerung
Die Ergebnisse leisten einen relevanten Beitrag zur Befundlage in der Technikakzeptanzforschung. Sie sollen im Rahmen lokaler Maßnahmen wie der Konzeption eines neuen Landessozialplans sowie dem Aufbau von Beratungsstellen zu zukunftsgerichteter Pflege und Versorgung angewendet werden.