Abstract
Mikroorganismen spielen eine bedeutende Rolle in der Ökologie und Evolution von Insekten. Das weltweit am weitesten verbreitete Bakterium ist Wolbachia. Dieser Endosymbiont befällt eine Vielzahl unterschiedlicher Insektenarten. Eine Infektion kann für den Wirten entscheidende Konsequenzen haben: Wolbachiakann die Reproduktion des Wirten beeinflussen, ihn aber auch vor Viren und Parasiten schützen. Somit verschaffen diese Bakterien ihren Trägern einen Fitnessvorteil und ihnen selbst eine schnelle vertikale Verbreitung innerhalb einer Population. Darüber hinaus kann Wolbachiaeine zytoplasmatische Inkompatibilität zwischen infizierten und nicht-infizierten Populationen hervorrufen. Dies kann zu einer postzygotischen Isolation führen und dadurch zum Artbildungsprozess beitragen. Fruchtfliegen der Gattung Rhagoletissind ökonomisch bedeutende Schädlinge im Obstbau. Die Apfelfruchtfliege Rhagoletis pomonellaist ein Modellorganismus für die sympatrische Artbildung: Eine Population der natürlich auf Weißdorn vorkommenden Art wechselte ihre Wirtspflanze und adaptierte sich an den Apfel. Innerhalb weniger Generationen entwickelte sich diese zu einer neuen Wirtsrasse, die sich genetisch wie auch ökologisch von der Ursprungspopulation unterscheidet. Im Gegensatz dazuentwickelten sich die nordamerikanischen Kirschfruchtfliegen Rhagoletis cingulata und Rhagoletis indifferensdurch klassische allopatrische Artbildung.In diesem Vortrag präsentiere ich die Vielfalt von Wolbachiain unterschiedlichen Populationen von R. cingulata und R. indifferens in den USA und Mexiko, vergleiche den Infektionsstatus mit der genetischen Struktur deren Wirten und die mögliche Auswirkung dieses Endosymbionten auf die Artbildung von Kirschfruchtfliegen.