Abstract
Das heutige Verständnis von Design geht über die gängige Betrachtung des Produktdesigns auf der einen und des Kommunikationsdesigns auf der anderen Seite weit hinaus: Bereits seit den 1960er Jahren – etwa seit den ersten Diskussionen um Design als Forschung – wird Design nicht nur als die Gestaltung einzelner Dinge und Zeichen begriffen (vgl. Rittel 1987). Vielmehr stehen Kontexte und Bedingungen komplexer Produktion und Nutzung im Vordergrund und begründen die heutige Auffassung von Design als „interdisziplinärer und kooperativer Auftrag“ (vgl. Erlhoff 2008, S. 91). Design existiert demnach als „[…] Tätigkeit, etliche akademische, ökonomische, ökologische, wissenschaftliche und artistische Einsichten, Wissensbereiche und Ansichten produktiv mit den alltäglichen Prozessen und Erfahrungen von Artefakten, Systemen und Prozessen zu integrieren“ (ebd.).
Bemühungen der Gestaltung richten sich längst nicht mehr einzig auf dingliche Artefakte, sondern gleichermaßen auf nicht-materielle Erzeugnisse. Die Fokussierung auf die Gestaltbarkeit von Prozessen stellte einen entscheidenden Richtungswechsel für das Design dar. Auch in der Innovationsforschung und der Management-Praxis setzte sich diese Wende in Ansätzen wie dem “Service Design” oder dem „Design Thinking“ durch, welche auf den Methoden der Designforschung beruhen, in der Praxis aber in erster Linie auf eine kommerzielle Auswertung dieser Methoden abzielen (vgl. Heft 8 “Design Thinking” des REVUE. für postheroisches Management, März 2011). Im Zuge einer Verschiebung hin zu komplexen Designaufgaben treten in der praxisbasierten Designforschung dagegen grundlegende gesellschaftliche Fragestellungen in den Vordergrund. Die Designforschung weist seit einigen Jahren eine große Nähe zu sozialen, ökologischen, genderspezifischen, städtebaulichen sowie alltagskulturellen Kontexten auf (vgl. Joost 2012).