Abstract
Mit diesem Herausgeberinnenband wird ein aktuelles und für die Lehrer/innenbildung konstitutives Thema aufgenommen und fortgeführt: der Praxisbezug im Lehramt. Das Verlangen der Studierenden nach vermehrten Praxisbezügen im Studium ist ein durchgängiges Thema in der universitären Lehrer/innenbildung und diesem wird auch bildungs- und hochschulpolitisch eine hohe Bedeutung zugewiesen (vgl. das umfangreiche Forschungsprogramm des BMBF zur Qualitätsoffensive Lehrerbildung 2016). Im pädagogischen Diskurs zeigt sich, dass es sich beim Praxisanspruch um einen uneinlösbaren Anspruch handelt (vgl. Wernet 2018). Eine theoretische Rahmung und eine transparente Zielsetzung des Praxisbezugs in der Lehrer/innenbildung werden curricular nicht hinreichend ausgewiesen. Auch professionstheoretische Ansätze im hochschulischen Kontext werden bislang unzureichend mit ihren Differenzen in den Blick genommen. Daraus ergeben sich vielfältige Irritationen auf Seiten der Studierenden und Herausforderungen für Hochschullehrende, insbesondere für die Entwicklung hochschuldidaktischer Konzepte (vgl. Ertl-Schmuck 2019, S. 48). So stellen wir uns in diesem Band folgende Fragen: Wie lässt sich der Praxisbezug am Lernort Universität einlösen, ohne dabei in pädagogische Rezepte für eine gute Schulpraxis zu verfallen? Und wie lassen sich die Differenzen zwischen dem Lernort Hochschule und Schule produktiv und theoriegeleitet bearbeiten?